Gründen-Live: Mehr Kopf statt Kapital. Intelligenter Wirtschaften

Dieser Onlinekurs basiert auf den Methoden und Techniken aus dem Buch “Kopf schlägt Kapital” von Prof. Faltin. Der Kurs ermöglicht es Dir systematisch Ideen weiterzuentwickeln und diese zu einem innovativen und tragfähigen Konzept auszuarbeiten. Die Texte, Trainingsvideos und Aufgaben der neun Module führen Dich Schritt für Schritt zu Deinem Entrepreneurial Design. In der passwortgeschützten Gründen-Live Community kannst Du den Kurs jederzeit individuell beginnen. Zudem findest Du in der Mediathek viele Interviews, Links zu hilfreichen Quellen sowie inspirierende Vorträge.

Modul 7: Mehr als nur eine Funktion erfüllen

Aufgabe ausführen

Praktischer Übungsteil Heute lernst Du, wie eine Sache mehrere Funktionen erfüllen kann und wie Du dazu die richtigen Überlegungen anstellst!

Welche Ideen hast Du zu dem Thema Öffnungszeiten?

(Fallen Dir drei ein?)

Das Prinzip Arbeitsteilung gibt es noch nicht so lange. Finde heraus, was früher mehrere Funktionen erfüllt hat.

Fallen Dir Produkte oder Institutionen ein, die früher mehrere Funktionen hatten, für die es heute mehrere unterschiedliche Produkte / Institutionen gibt?

Fallen Dir Arbeitsschritte ein, die früher mehrere Funktionen erfüllt haben?

Warum wurden diese dann aufgeteilt?
Wie kann man dieses intelligent re-kombinieren oder sogar neu kombinieren, anders als früher?

Analysiere Dein Konzept:

Welche Funktionen erfüllt Dein Konzept?
Welche Funktionen könnte Dein Konzept oder Teile davon noch erfüllen?
Wie kann Dein Konzept mehr als nur eine Funktion erfüllen?
Welche Ressourcen hast Du dafür zur Verfügung? (zB. Maschinen, Mitarbeiter, Immobilie)
Wie kannst Du diese noch nutzen? Gibt es noch andere Möglichkeiten diese zu nutzen?
Fallen Nebenprodukte an? Kannst Du diese anderweitig nutzen?

Durchlebe einen Tag Deiner potentiellen Kunden. Was machen diese bevor und nachdem, oder sogar während sie Deinen Service / Dein Produkt nutzen?

Könnte Dein Produkt / Service diese anderen Angebote auch leisten bzw. würde es sich lohnen diese zu integrieren?

Inwiefern sind solche Erweiterungen auch für andere Menschen (erweiterte Zielgruppe) interessant?

Wieviel Geld, Zeit, Aufwand können Kunden durch Dein Produkt sparen?

Zwei Seifen sind mir zu kompliziert. (Auf die Frage, warum er die gleiche Seife zum Waschen und zum Rasieren benutze.) Albert Einstein

Warum sollen Gegenstände oder innovative Ideen nur für eine Sache verwendet werden?

In modernen, arbeitsteiligen Gesellschaften werden immer mehr Funktionen separiert von anderen. Das heißt, zum Essen geht man in ein Restaurant, es gibt Jugendklubs für die Jungen und Altenklubs für die Alten – jede Funktion hat ihre eigenen Räume. Einkaufen muss man im Geschäft. Bücher ausleihen in der Bibliothek, zur Arbeit geht man ins Büro. Selbst Theater spielt man im Theater; kühne Regisseure bringen ausgefallene Inszenierungen – wohin? Auf die Bühne, ins Theater.

Die Vereinzelung und Vereinsamung moderner Gesellschaften hat etwas mit dieser Funktionenteilung zu tun. Jeder sitzt in seinem eigenen Raum.

Warum gefallen uns die kleinen französischen Dörfer, wie wir sie aus dem Urlaub kennen? Alt und Jung sitzen beisammen, manche lesen, andere spielen, zwischendrin schneidet der Friseur jemandem die Haare. An vielen Stellen ist unsere Arbeitswelt derart rationalisiert und ausdifferenziert, dass es Chancen eröffnet, Funktionen wieder zu reintegrieren.

Mehr als nur eine Funktion bedienen

Prof. Faltin hat vor Jahren einen Workshop zum Thema Öffnungszeiten gemacht, indem die Teilnehmer unvoreingenommen über Doppelnutzungen von Gebäuden nachdachten:

Was kann man in Supermärkten noch veranstalten? Warum werden Kanzleien nicht tagsüber zu Kunstausstellungen und abends zu Partyräumen? Was ist möglich, aus Räumen zu machen, die zeitweise ungenutzt bleiben? Ein Bettenhaus nachts zum Probeschlafen auf Matratzen oder gar als unkonventionelles Hotel? Mehr als nur eine Funktion zu bedienen hat schlagende ökonomische Vorteile: Sie müssen keinen Raum bauen, ausstatten, beleuchten, heizen – es kommt hier nur auf Ihre Fantasie an.

Die Methode etwas “zurück zu verbinden” (zu reintegrieren), was getrennt wurde, hat neben ökonomischen Vorteilen auch eine gute gesellschaftliche Funktion – sie wirkt der Vereinsamung entgegen, bringt Menschen zusammen, die sonst wenig miteinander zu tun hätten.

Die Natur nutzt Dinge vielfach

Von der Natur kann man sich abgucken, dass sie Dinge vielfach nutzt: Selten hat etwas nur eine einzige Funktion. Ein Grashalm erfüllt mindestens sechs Funktionen, lernen wir von den Bio- und Ökologen.

Übertragen auf eine unternehmerische Idee sollten Sie sich also fragen: Welche Dinge fallen anderswo an, die ich kostenlos anderweitig nutzen kann? Gemeint ist hier nicht Abfallverwertung, sondern ein guter Blick dafür, was für andere Prozesse ausgedacht war und was ich mit möglichst geringer Investition für meine Zwecke umnutzen kann. In der Natur ist Mehrfachnutzung die Regel und es haben sich die vielfältigsten Kooperationen herausgebildet, die gegenseitige ökonomische Nutzung ermöglichen.

Prof. Faltin hatte oft während seines Studiums keine eigene Wohnung, sondern ist ins Studentenwohnheim oder bei Freunden eingezogen, dort wo etwas frei war. Das war nicht nur sehr abwechslungsreich, sondern auch äußerst luxuriös. Er musste nichts einrichten oder bezahlen und konnte viele Dinge wie Bücher, Kunst und Gebrauchsgegenstände aus aller Welt kennenlernen, auf die er in seiner eigenen Wohnung nie gestoßen wäre. Auch seine Gastgeber waren froh, denn er ging sorgfältig mit der Einrichtung um, goss die Blumen und machte ihnen zum Schluss ein großzügiges Geschenk. Ein Geschenk, das einen Bruchteil dessen kostete, was er für Miete hätte ausgeben müssen. Luxuriös auch unter dem Aspekt, dass er nichts mit Vermietern, Strom- und Gasrechnungen zu tun hatte – bürokratische Dinge, gegen die jeder von uns eine Abneigung hegt.

Prof. Faltin hat lange aus einem Koffer gelebt und später einen gesamten Umzug in einem VW-Käfer mit Schiebedach untergebracht.

 

Es ist wie beim Trampen: Bevor er ein eigenes Auto hatte, lernte er viele Leute kennen und jeder Tag war ein großes Abenteuer. Später fuhr er den Wagen selbst und beschäftigte sich fortan mit Reparaturen, Steuer- und Versicherungsrechnungen. Dazu kamen die Sorgen, die jedes ungewohnte Geräusch eines Autos in dessen Besitzer hervorruft, und das auf eine mögliche neue Reparatur hinweist. Dabei denkt er gar nicht an das Geld, sondern an den Aufwand und die Verzettelung, die Komplexität.

Bei seinen Ideen steht daher im Zentrum der Überlegungen, wie er den Aufwand möglichst reduzieren kann. Prof. Faltin redet hier nicht vom Wort "Schmarotzen", sondern intelligenten Kombinationen, die für alle Beteiligten eine Win-win-Situationen schaffen.

Jetzt bist Du wieder dran, fallen Dir Beispiele ein, die früher mehrere Funktionen erfüllt haben?