Gründen-Live: Mehr Kopf statt Kapital. Intelligenter Wirtschaften

Dieser Onlinekurs basiert auf den Methoden und Techniken aus dem Buch “Kopf schlägt Kapital” von Prof. Faltin. Der Kurs ermöglicht es Dir systematisch Ideen weiterzuentwickeln und diese zu einem innovativen und tragfähigen Konzept auszuarbeiten. Die Texte, Trainingsvideos und Aufgaben der neun Module führen Dich Schritt für Schritt zu Deinem Entrepreneurial Design. In der passwortgeschützten Gründen-Live Community kannst Du den Kurs jederzeit individuell beginnen. Zudem findest Du in der Mediathek viele Interviews, Links zu hilfreichen Quellen sowie inspirierende Vorträge.

Modul 6: Vorhandenes neu kombinieren

"Geh nicht immer auf dem vorgezeichneten Weg, der nur dahin führt, wo andere bereits gegangen sind.” Alexander Graham Bell

 

„Think ceramic“ - Neues aus Altem kreieren

Innovation ist nicht gleich eine neue Erfindung, sondern kann auch bedeuten etwas Neues aus Altem zu schaffen. Thijs Nel ist Künstler in Magaliesberg bei Johannesburg. Sein Gebiet ist die Töpferei. Die Slums seiner Umgebung vor Augen, kam ihm die Idee, wie man bessere Häuser bauen könnte. Traditionell fertigen die Bewohner des südafrikanischen Township ihre Häuser aus Lehm; die Wände werden mit Stöcken und Zweigen verstärkt. Wenn die Termiten aber das Holz fressen, entstehen in den Wänden herrliche Wasserkanäle und die Häuser halten im regnerischen Wetter nicht lange. Nels unternehmerische Idee „Think ceramic“ kann man so beschreiben: Stellen Dir eine Tasse vor. Stelle diese Tasse auf den Kopf. Lassen diese Tasse in Gedanken größer und größer werden. Dann denke Dir Löcher in diese Tasse. Nennen die Tasse jetzt „Haus“.

 Die Tassenidee: kombiniere Altbekanntes neu

Diese hausgroße Tasse mit Öffnungen als Fenster muss nun gebrannt werden. Wie andere Töpferwaren auch, in einem Feuer, das eine hohe Temperatur erzeugt. Das Feuer kann als Dorffest organisiert werden. Das Ergebnis ist ein Haus, das weitaus haltbarer ist als die bisherigen Hütten, aber trotzdem kaum teurer. Der Künstler als Architekt und Entrepreneur, mit einer Idee, verblüffend einfach und praktisch vorgeführt. Jeder sein eigener Hausbauer, Töpfer, Künstler. Ziemlich wahrscheinlich sogar, dass die Siedlungen schöner anzusehen sind als die Bauleistungen mancher Facharchitekten. Jetzt sagst Du Dir, das ist doch nichts Neues, viele Völker, so auch die Hopi-Indianer, bauten so. Richtig, auch Nel erfand nichts Neues, sondern suchte nach traditionellen, preiswerten Material für seine Tassenidee, das überall vorhanden war – und kombinierte Altbekanntes neu. Eine ebenso einfache wie wirksame Technik, auf die man auch durch systematisches Nachdenken kommen kann.

Beim Kochen kann man ständig vorhandene Zutaten und Gewürze neu kombinieren und es entstehen dadurch teilweise völlig neue Kombinationen: Fleisch mit Mangosauce, Erdbeer-Basilikum-Eis, Chili-Schokolade. Nicht alles schmeckt, aber einige der Kreationen sind so gut, dass man Sie als Rezept aufschreibt und immer wieder kocht.

Kombiniere Deine Idee neu

Genauso kann das auch mit Ideen sein: Es geht um das Ausprobieren, das Neu-Denken, Neu-Kombinieren. Im Web gibt es eine ganze Seite von Ikea-Fans, die sich gegenseitig Tipps geben, wie Ikea-Möbel anders zusammengebaut werden können – wie man Produkte miteinander kombinieren kann und dann eine neue Funktion bekommt oder eine tolle Dekorationsidee. So wird zum Beispiel ein Besteckhalter, eine Energiesparlampe und eine Gardinenhalterung zur schicken Wohnzimmerbeleuchtung oder ein Küchenrollenhalter mit einer aufgeschraubten Platte zum Laptoptisch.

Ein etwas älteres, aber sehr bekanntes Beispiel von Neu-Kombination ist Henry Fords Fertigungsweise von Autos. Er schaute sich die (heute so genannte) fließbandartige Arbeitsweise mit je einem Handgriff pro Arbeiter im Schlachthaus ab und kombinierte sie mit dem Zusammenbauen seiner Autos – so „erfand“ er die moderne Form der industriellen Fließbandfertigung. Sie war für seine Zeit ein herausragendes Konzept und revolutionierte die industrielle Arbeit von der Einzelfertigung zur Massenfertigung.

 

Jetzt bist Du wieder dran: Fallen Dir neue Kombinationen von Altbekanntem ein, die das Zeug zu einem guten Konzept hätten?